Forschungsprojekt „Bootlegging“

Innovationsinstrument

Forschungsprojekt „Bootlegging“

Das Fördern von innovativem Verhalten bei Mitarbeitern ist ein zentraler Erfolgsfaktor für kontinuierliche Innovationen in Unternehmen. Während sich bisherige Forschung, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter sinnvoll in den Innovationsprozess integrieren können, insbesondere mit Ansätzen wie Crowdsourcing oder klassisch mit Anreizen und Incentivierungen beschäftigte, ist ein relativ neues Phänomen zu beobachten, wie Mitarbeiter ihre innovativen Ideen jenseits der offiziellen Richtlinien, Vorschriften und Reporting Anforderungen in inoffiziellen, verborgenen U-Boot-Innovationsprojekten umsetzen. Dieses Phänomen, Bootlegging genannt, bezeichnet ein Verhalten, bei dem Mitarbeiter ihre Innovationsideen aus eigenem Antrieb in inoffiziellen Projekten umsetzen, ohne die formale Organisationsstruktur oder Vorgesetzte zu involvieren. Dabei sind Bootlegging-Projekte ein zweischneidiges Schwert: Bootlegging-Projekte können Innovationen in Unternehmen befördern, wie am Beispiel der „Post-its“ von 3M, der „T1100“, der erste Massenmarkt-Laptop der Welt von Toschiba und auch die Tablet-Applikation „Notes Traveler Companion“ exemplarisch zu sehen war. Auf der anderen Seite verwenden Mitarbeiter ohne Abstimmung jedoch auch Zeit und Ressourcen in ihren inoffiziellen Innovationsprojekten, die so offiziellen Unternehmensprojekten fehlen.

Aus Forschungssicht ist es besonders interessant, welche individuellen und organisatorischen Faktoren einen Einfluss auf Bootlegging ausüben, wie mit Bootlegging-Aktivitäten innerhalb von Organisationen umgegangen und wie ein Verständnis für die Konsequenzen dieses Mitarbeiterverhaltens entwickelt werden kann. Einige mögliche Einflussfaktoren ergeben sich aus der Organisation selbst, beispielsweise der angewandte Führungsstil, formale Kontrollsysteme und organisatorische Abläufe. Ebenfalls können persönliche Faktoren und Eigenschaften des Mitarbeiters zu Bootlegging beitragen. Engagement der Mitarbeiter, Risikobereitschaft, Zufriedenheit am Arbeitsplatz, Erfahrungen aber auch Treiber der persönlichen Motivation können eine Rolle spielen, sich an inoffiziellen Projekten zu beteiligen oder diese zu initiieren.

Die aktuellen Forschungsaktivitäten im Center for Digital Transformation am SITE zielen auf ein besseres Verständnis des Bootlegging-Phänomens ab und erstrecken sich in einem ersten Schritt auf die Ermittlung von Determinanten des Mitarbeiterengagements in inoffiziellen Projekten. Es werden extrinsische und intrinsische motivatorische Faktoren untersucht, wie beispielsweise Sanktionen, Belohnungen, die Identifikation mit der Organisation oder Risikobereitschaft, die einen Einfluss auf die Wahl inoffizieller Kanäle zur Umsetzung innovativer Ideen ausüben. Die wissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich zielt auf einen Erkenntnisgewinn ab, der sowohl einen Beitrag zur Forschungsgemeinschaft leistet als auch in Zeiten starker disruptiver Einflüsse auf die Unternehmenswelt praktische Implikationen zur Innovationskraft in Organisationen liefert.


Kontakt: Alexander Krüger alexander.krueger@ebs.edu Tel: 0611 7102 1321

Arne Buchwald arne.buchwald@ebs.edu Tel: 0611 7102 1387

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