Was gibt es Neues von SITE-Alumnus Dr. Peter Stiller?

Dr. Peter Stiller beantwortet Fragen zu seiner Zeit an der EBS und seinem jetzigen Job

Was gibt es Neues von SITE-Alumnus Dr. Peter Stiller?

Hallo Peter,

vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und uns für ein paar Fragen zu deiner Zeit am SITE und deiner jetzigen Karriere zur Verfügung stehst.

Deine Zeit an der EBS

Wie lang ist es nun her, dass du bei uns am SITE (bzw. dem SIIE, Anmerkung der Redaktion: Unser Name bis Ende 2015) promoviert hast? Das ist schon etwas länger her, um genau zu sein 11 Jahre. Angefangen habe ich im August 2004, meine Promotions-Urkunde habe ich am 03.07.2007 erhalten. Damit bin ich knapp drei Jahre am SITE gewesen.

Du bist über das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) in München zu uns gekommen. Was genau hast du dort gemacht? Zum SCE kam ich direkt nach meinem Studium. Dort habe ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Russo gearbeitet. Meine drei Kernaufgaben waren im Wesentlichen der gemeinsame Aufbau eines EBS-Zertifikatslehrgangs mit dem VDMA als Kooperationspartner, ein Beratungsprojekt für einen mittelständischen Anlagenbauer zum Thema „Innovationsmanagement“ und natürlich die Mitarbeit an Publikationen im Themengebiet „Entrepreneurship“ und „Innovationsmanagement“.

Was war deine Intention eine externe und keine interne Promotion am SITE zu beginnen? Die Intention für die externe Promotion resultierte daraus, dass mich die Kooperation zwischen dem SCE und dem SITE sehr gereizt hat. Falk Strascheg hatte damals erst kurz zuvor das SCE in München ins Leben gerufen und es befand sich zu der Zeit noch im Aufbau. Ich wollte bei dieser Phase unglaublich gerne dabei sein. Herr Strascheg ist ein sehr renommierter Venture Capitalist und zugleich ein erfolgreicher Unternehmer. Die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, wollte ich unbedingt in meine Promotion an der EBS mit einbringen.

Hast du neben deiner Promotion einen Job ausgeübt? Nein, neben der Stelle am SCE habe ich keinen weiteren Job ausgeübt. Parallel zu meiner Arbeit habe ich für den Triathlon (Ironman) in Roth trainiert und im Jahr 2006 meine erste Firma gegründet. Zeit für weitere Aufgaben fehlte mir schlicht und ergreifend.

Mit wem aus deiner Doktorandenzeit hast du noch heute Kontakt? Natürlich zu meinem damaligen Doktorvater Herrn Prof. Dr. Gleich. Ich verfolge mit viel Interesse, was am SITE alles gemacht wird und wie sich das Institut weiterentwickelt. Ab und zu komme ich auch zum Meetingpoint, allerdings aus Zeitgründen nicht jedes Jahr. Außerdem habe ich noch Kontakt zu Herbert Gillig, der mittlerweile am SCE Professor ist. Mit Sebastian Niggemann und Nina Schniering tausche ich mich hin und wieder aus. Nina ist inzwischen an der Messe München tätig, sodass wir hier eine gewisse räumliche Nähe haben.

Was waren die größten Herausforderungen deiner Promotion und wie konntest du diese meistern? Generell habe ich mich mit dem Promotionsprogramm der EBS sehr gut aufgehoben gefühlt. Promoviert habe ich über Intrapreneurship, d.h. Unternehmertum im Unternehmen, in diesem Bereich im Speziellen in der Branche des Großanlagenbaus. Rückblickend war die Wahl der Branche recht herausfordernd, da ich vor der Promotion keinerlei Berührungspunkte mit ihr hatte. Herr Prof. Dr. Gleich und der VDMA haben mich aber sehr gut unterstützt, so dass die empirische Untersuchung trotz der Herausforderungen sehr gut funktioniert hat.

Welche Dinge würdest du aus heutiger Sicht während der Promotion anders machen? Wenn ich meine Promotion heute noch einmal begänne, würde ich den Themenschwerpunkt der Dissertation mehr an meinen Stärken ausrichten. Statt Intrapreneurship würde ich mich mehr auf das Entrepreneurship konzentrieren, sprich das Unternehmertum an sich. Während meines Studiums in den USA habe ich diesen Bereich vertieft und zusätzlich an Businessplan-Wettbewerben teilgenommen. Das ist meine Leidenschaft, in der ich letztendlich auch beruflich gelandet bin. Deshalb hätte ich die Promotion aus heutiger Sicht mehr darauf ausgerichtet.

Was war dein größter Lerneffekt während der Promotion? Es gab viele Lerneffekte. Heute profitiere ich tatsächlich vor allem noch von den Statistikkursen während des Promotionsstudiums. Wir machen sehr viele on-site A/B-Testings. Die Zahlen richtig auszuwerten, zu verstehen, was signifikant und was nicht signifikant ist und anschließend die richtigen Schlüsse daraus ziehen zu können, war damals schon ein großer und wichtiger Lerneffekt für mich.

Dein jetziger Job

Du bist sehr aktiv in der Gründerszene. Was beeindruck dich besonders an der Unternehmensgründung? Ich finde es toll, dass man beim Gründen die Möglichkeit hat zu gestalten. Man sieht, wie etwas wächst und wie sich die Aufgaben des Gründers in den verschiedenen Phasen verändern. Die Arbeitsweise ist ganz anders, wenn man alleine, mit 10 oder mit 50 Leuten arbeitet. Das ist sehr generalistisch und abwechslungsreich. Aber nicht jede Phase ist für jeden Gründer etwas. Manchmal wächst die Firma zu schnell. Vielleicht ist der eine gut darin ein Unternehmen zu starten aber weniger gut darin, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Robert Gentz von Zalando hat beispielsweise alle Phasen durchlebt. Er ist allerdings eher eine Ausnahme.

Mir machen die ersten Phasen des Gründens am meisten Spaß. Ich habe gemerkt, dass ich mich ab einer Mitarbeiteranzahl von 60 nicht mehr so wohl fühle. Strukturen, Prozesse und Kommunikation stehen dann vor allem im Mittelpunkt.

Du leitest mit deinem Bruder Tomas zusammen drei Firmen, die ihr gemeinsam gegründet habt. Gibt es einen Zusammenhang oder eine Verbindung zwischen den Unternehmen? Ja, die drei Firmen „Printano“, „Printkiss“ und „Stiller and Company“ sind gesellschaftsrechtlich miteinander verknüpft und sind alle im Internet vertreten. Printano und Printkiss sind außerdem im selben Bereich tätig. Printano ist eine Online-Druckerei für Firmen, die sich z.B. mit hochwertigen Broschüren, Flyern oder Visitenkarten präsentieren möchten. Printkiss ist ebenfalls eine Online-Druckerei, allerdings für Privatleute, die die schönsten Momente im Leben, wie beispielsweise Hochzeiten, Weihnachten oder die Kommunion des Kindes teilen möchten. Abschließend ist noch zu sagen, dass in allen Firmen auf dasselbe technologische Setup zurückgegriffen wird. Das bedeutet, dass wir mit denselben Partnern zusammenarbeiten, teilweise sogar dieselben Mitarbeiter einsetzen und dadurch viele Synergien schöpfen können.

Hat dir die Erfahrung, wissenschaftlich zu arbeiten, einen Vorteil bei der Gründung deiner Unternehmen verschafft? Ja, an der EBS wird ein gutes Handwerk vermittelt, das mir bei der Gründung geholfen hat. Insbesondere der zielgerichtete Wissensaufbau und die Nutzung des Wissens sowie das Treffen von Entscheidungen auf Basis von Daten. Das ist allerdings kein Must Have, man erlernt diese Dinge auch schnell während des Gründens.

Du hast schon gegründet, als du noch Promotionsstudent bei uns am SITE gewesen bist. Hast du einen Unterschied wahrnehmen können, mit und ohne Doktortitel zu gründen? Nein, eher weniger. Das kann allerdings auch am Bereich liegen. In der Internet-Branche duzen sich alle. Einen Unterschied machen eher die Erfahrungen, die wir bei der ersten Gründung erlebt haben. Diese helfen uns jetzt, schneller und zielgerichteter vorzugehen. Die Promotion war eine spannende Phase, in der ich persönlich viel gelernt habe. Beim Gründen habe ich durch den Titel weniger einen Einfluss wahrnehmen können.

Bist du nun an dem Ziel angekommen, an dem du dich ursprünglich gesehen hast? Ja, ich würde es aber eher als Wegmarke bezeichnen als ein Ziel. Für mich geht es jetzt weiter zur nächsten Wegmarke. Wie Konfuzius bereits zu sagen pflegte, ist der Weg das Ziel und ich genieße es momentan sehr auf diesem Weg zu sein. Weitere Gründungen sind daher in Zukunft nicht ausgeschlossen.

Das Wiedersehen

Was möchtest du uns sonst noch sagen oder mit auf den Weg geben? Das Leben ist kurz und jeder sollte sich gut überlegen, was er damit machen möchte. Ich finde es sehr erfüllend, etwas tun zu können, was meine Leidenschaft ist, woran ich wachsen und anderen helfen kann. Persönlichkeiten, die mich in meinem Leben und Tun sehr inspiriert haben, sind z.B. Tony Robbins oder Robin Sharma. Ray Dalio begeistert mich ebenfalls. Er hat vor kurzem das Buch „Principles“ herausgebracht. Darin schildert er seine Erfahrungen und das Erlernte, das ihn während seines Aufbaus des größten Hedgefonds der Welt geprägt hat. Er ist bei dem Aufbau sehr datengetrieben vorgegangen und versucht zu verstehen, wie Dinge funktionieren. Er fasst das Leben als Maschine auf. Wenn man vorne Input hineinsteckt, kommt hinten ein bestimmter Output heraus. Wenn man begreift, wie die Gesetzmäßigkeiten in der Maschine funktionieren, kann man ganz gezielte Inputs geben, um gewünschte Ergebnisse zu erhalten. Das fand ich sehr faszinierend.

Wann sehen wir dich das nächste Mal wieder? Am 04. Oktober 2018 werde ich im Rahmen der Bachelorveranstaltung „Entrepreneurship & Innovationen“ an der EBS Universität sein – und natürlich am 29. September auf der SITE-Alumni-Wiesn.

Vielen Dank für deine Unterstützung!

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