Das war der SITE Meetingpoint 2019

Diesjähriges Thema: Start-Up als Unternehmensstrategie - Chancen, Erfolgsfaktoren & Steuerungsmöglichkeiten

Das war der SITE Meetingpoint 2019

Welche Formen von Start-Up-Initiativen gibt es? Was ist in den einzelnen Start-Up-Phasen zu beachten? Wie wird solch eine Initiative erfolgreich? Diesen wesentlichen Fragen wurde beim diesjährigen SITE-Meetingpoint nachgegangen. Dazu konnten namhafte Persönlichkeiten und Experten gewonnen werden, die ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit den rund 100 Gästen aus Wissenschaft und Praxis teilten.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Frau Prof. Dr. Diane Robers führte Dr. Bernhard Mohr, Evonik Venture Capital, das Auditorium in die Start-Up-Initiative des Venture Capitals ein. Investitionen in Höhe von 250 Mrd. Euro weltweit belegten, dass diese Initiative das wichtigste Tool für eine Start-Up Finanzierung sei, so der Referent. Die größten strategischen Ziele eines Corporate Venture Capitals sehen Unternehmen vor allem in aufkommenden Technologien, der Erschließung neuer Märkte, disruptiven Geschäftsmodellen und dem unternehmerischen Handeln. Es ist für die Archivierung der strategischen und finanziellen Ziele verantwortlich und soll die Stärken aus Start-Ups und etablierten Unternehmen vereinen.

Evonik Venture Capital kann aus einem Fond-Volumen von 250 Mio. Euro schöpfen und besteht aus über 600 Start-Ups. Das Fond-Investment erlaubt es dem Unternehmen, weltweit einen schnellen Zugang zu neuen Technologien zu erhalten. Eindrucksvoll schilderte Herr Dr. Mohr ein Beispiel aus der Medizin, in dem anhand einer neuartigen Technologie Knochenverlängerungen und Knochendeformitätskorrekturen möglich werden.

Im zweiten Vortrag differenzierte Frau Prof. Dr. Diane Robers von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht die drei Start-Up-Initiativen Inkubatoren, Acceleratoren und Corporate Venture Capitals. Unter dem Begriff des Corporate Entrepreneurships versteht man den unternehmerischen Prozess der Identifikation, Evaluierung und Nutzung von unternehmerischen Gelegenheiten, der innerhalb bestehender Organisationen existiert. Inkubatoren sind Einrichtungen, die Start-Ups auf dem gesamten Weg der Gründung unterstützen. Sie verknüpfen Infrastruktur, Wissen und Netzwerk miteinander und bieten somit ein komplettes Start-Up-Ökosystem. Acceleratoren sind Einrichtungen, deren Ziel es ist, den Entwicklungsfortschritt eines Start-Ups durch Coaching stark zu beschleunigen. Die Unterstützung ist allerdings oft zeitlich sehr begrenzt. Corporate Venture Capitals zeichnen sich indes durch Eigenkapital aus, das nicht im Finanzbereich des Unternehmens liegt sondern das in Ausgründungsprojekte oder in von außen kommende Start-Ups investiert wird. Bei dieser Form wird nicht nur eine finanzielle Rendite angestrebt, sondern vielmehr ein Beitrag zur Erreichung der strategischen Ziele der Muttergesellschaft.

Welchen Stellenwert der Bereich Forschung & Entwicklung für die Commerzbank hat, erläuterte Matthias Lais, COO main incubator, im nächsten Vortrag.

Der main incubator ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Commerzbank Gruppe und bildet diesen Bereich im Mutterkonzern ab. Er gliedert sich in die drei Teilgebiete Community, Prototype und Ventures. Die Community wird durch Meetups, Events, Think Tanks und Hackathons gebildet. Die Prototyping Labs bedienen 12 aufstrebende Technologien, darunter z.B. Artificial Intelligence, Biometrics und Robotics. In diesen 12 Bereichen hat sich der main incubator über 800 Start-Ups informiert und letztlich in 17 investiert. Eines davon ist das Start-Up retresco, das vor kurzem sogar den „Exit“ erfolgreich geschafft hat und nun ein eigenständiges Unternehmen ist.

Benjamin Pfeifer stellte im weiteren Verlauf das Start-Up ioki vor. Das Unternehmen wurde aus dem Deutsche Bahn Konzern heraus gegründet und soll initiale Fragestellungen beantworten, wie z.B.: Wie sieht der Mobilitätsmarkt der Zukunft aus? Was wünscht sich der Kunde an digitalen Produkten? Wie kann man so eine digitale Transformation im Unternehmen durchführen? Im Jahr 2017 wurde ioki der Presse erstmals vorgestellt. Ziel war es, das Mobilitätsportfolio der Deutschen Bahn zu erweitern, ein digitales und intermodales nahtloses Reiseergebnis von Tür zu Tür zu schaffen und eine strategische Platzierung in der Wertschöpfungskette in der geteilten Mobilität der Zukunft zu sichern. Im selben Jahr wurde mit der ersten autonomen Buslinie Deutschlands das Pilotprojekt im bayrischen Bad Birnbach durchgeführt. Die Vision: Menschen verbinden und ihnen Lebensraum und Lebensqualität zurückgeben. Seit dem Markt-Launch hat das Start-Up bereits 250.000 Passagiere befördert. Die größte Herausforderung für ioki ist der Spagat zwischen Unternehmertum und Opportunitätsgetriebenheit. Als ein brisantes Beispiel nannte der Referent die Gouvernancestrukturen. Das Start-Up ist verpflichtet, gewisse Anpassungen an die Strukturen und Prozesse der Deutschen Bahn vorzunehmen. Dies bedeutet allerdings einen schmalen Grat zwischen der Nutzung von Ressourcen-, Netzwerk, Wissens- und Infrastruktur-Synergien des Großkonzerns einerseits und dem erforderlichen Entfaltungsfreiraum und der höheren Geschwindigkeit eines Start-Ups andererseits.

Prof. Dr. Heimo Losbichler, Vorsitzender des Internationalen Controller Vereins e.V. (ICV) und Dekan der FH Oberösterrreich, beendete die Vortragsreihe mit der Vorstellung des neuen Dream-Car-Berichtes des ICVs zum Thema „Controlling von Start-Up & Start-Up-Initiativen“.

Einige Kernelemente sind für ein erfolgreiches Controlling von Start-Up-Initiativen unabdingbar. Beispielsweise eine eindeutige Zielsetzung, d.h. was genau das Mutterunternehmen von der Start-Up-Initiative erwartet. Außerdem sollte das Durchgriffsrecht klar abgestimmt werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei anhängig von der Form der Corporate Open Innovation-Initiativen. Des Weiteren sollte es ein Controlling-System für jedes einzelne Start-Up, das sich entsprechend mit dem Lebenszyklus verändert, geben. Ein Portfolio-Controlling gibt einen Gesamtüberblick und integriert sich in das Gesamtcontrolling-System des Konzerns. Die Nähe der Start-Up-Initiativen zum Kerngeschäft bestimmt, wie weit das bestehende Controlling-System genutzt werden kann. Professor Losbichler beendete seinen Vortrag mit der Empfehlung, dass in der „Reifephase“ der Start-Ups professionelle Controlling-Strukturen und -prozesse vorhanden sein sollten.

Die Veranstaltung klang bei bestem Wetter und in entspannter Stimmung im Innenhof des Schlosses aus.

Ein herzliches Dankeschön allen Gästen und Beteiligten sowie insbesondere den Rednern und den beiden Sponsoren Henkell Freixenet und Weingut Robert Weil!

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